Die blau-gelbe Welt

 

Dualaktivierung

Die Dualaktivierung hat das Ziel, dem Pferd Koordination, Balance und Körperbewusstsein zu vermitteln. Zudem wird das aktiven Hin- und Herschalten der Gehirnhälften gefördert.

Gearbeitet wird in den blauen und gelben Dualgassen aus weichem Material, die die Verletzungsgefahr minimieren. Die Arbeit in der Dualaktivierungist als Intervalltraining mit Pausen (optimalerweise im Equiplace) zwischen den Arbeitsphasen gestaltet.

Für die Dualaktivierung kann man aus den Gassen verschiedene Figuren legen, zum Beispiel die Halbe Volte gerade oder das Dreieck. Der Fantasie sind dabei fast keine Grenzen gesetzt.

Außerhalb der Gassen wird in Biegung und Stellung geritten oder am Kappzaum longiert, in den Gassen gibt man nach, sodass das Pferd lernt, selber zu laufen und mitzudenken.

 

Positionsarbeit

Am Anfang der Dualaktivierung steht die Positionsarbeit. Hierbei wird die Rangfolge zwischen Mensch und Pferd geklärt.

Angefangen bei: "Wer macht den ersten Schritt?" bis hin zu Tempowechseln und positionierten Handwechseln wird abgefragt und gegebenenfalls geklärt, wer beim Pferd-Mensch-Team den Ton angibt.

Die Positionsarbeit ist die Basis jeder Arbeit mit dem Pferd. Sie gehört nicht nur auf den Reitplatz, sondern auch und vor allem auf den Weg zu und von der Koppel oder aus dem Stall an den Putzplatz. Ab der Sekunde, in der wir uns bei einem Pferd befinden, wird es abfragen, wer im Zweifelsfall bestimmt.

Positionsarbeit mag zwar unspektakulär aussehen, aber seien Sie sich sicher, am Ende lohnt sie sich - der tägliche Umgang mit dem Pferd kann so deutlich einfacher werden.

 

Fahnenarbeit

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Ist die Rangfolge erst einmal geklärt, geht es mit einer weiteren Grundlage weiter:

Der nächste Schritt ist die Fahnenarbeit. Durch das Arbeiten mit der Fahne werden die Gelenke im Genick gelockert und die Stellung wird abgefragt. Dabei läuft man im frontalen Führen vor dem Pferd her und fordert Stellung und etwas Biegung in der Halswirbelsäule.

Die Gassen bieten dem Pferd bei der Fahnenarbeit eine optische Hilfe, an der es Anlehnung findet und so leichter geradegerichtet laufen kann.

Die Fahnenarbeit eignet sich zum Beispiel auch sehr gut zum Aufwärmen vor der Arbeitsphase, um das Pferd spielerisch zum Nachgeben zu bringen und zur Zwischenkontrolle bei der täglichen Arbeit, ob es sich noch willig biegen und stellen lässt, oder ob es im Genickbereich irgendwo "hakt".

 

Equikinetic

Die Equikinetic ist ein sehr effektives Muskelaufbautraining, bei dem nach einem Zeitsystem gearbeitet wird. Das Ziel dieses Trainings ist es, dem Pferd die nötige Tragemuskulatur anzutrainieren und das Pferd geradezurichten.

Umgesetzt wird die Equikinetic in der Quadratvolte, einer aus Gassen gelegten Volte mit einem Innendurchmesser vom 6 Metern. Trainiert wird im Sinne des Intervalltrainings nach einem Zeitsystem mit Pausen zwischen den Arbeitsphasen. Diese Pausen kann Ihr Pferd gerne im Equiplace verbringen, der den Effekt der Pause, also das kurze Entspannen der Muskulatur und die Chance, sich in der nächsten Arbeitsphase wieder zu konzentrieren, noch verstärkt.

 

Arbeitsphase

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In der Arbeitsphase muss das Pferd im Schritt und - je nach Ausbildungsstand und seiner gesundheitlichen Verfassung - auch im Trab in Innenstellung durch die Quadratvolte gehen. Das bewirkt ein Aufspannen der äußeren Seite des Pferdes.

Durch das Zeitintervall ist sichergestellt, dass das Pferd auf beiden Seiten gleich viel gearbeitet wird. Das ist sehr wichtig, wenn das Pferd auf beiden Seiten gleich bemuskelt sein und es geradegerichtet laufen soll.

Wir tendieren gerne dazu, die gute Seite des Pferdes zu viel zu arbeiten und auf der schlechten Seite vernachlässigen wir das Training. Das liegt daran, dass etwas, was gut klappt, in unserem Zeitgefühl schneller vorbeigeht, als die Dinge, die nicht so gut funktionieren. Durch den Timer besteht diese Gefahr nicht mehr.

 

48 Stunden aktive oder passive Pause

Am Tag nach der Equikinetic ist Pause angesagt: Am effektivsten ist es, das Pferd 48 Stunden auf der Koppel, im Paddocktrail oder im Offenstall stehen zu lassen. Dann hat man den größten Erfolg im Muskelaufbau. Wichtig ist, das Pferd nicht 48 Stunden in eine Box zu stellen. Steht Ihr Pferd in Boxenhaltung oder hat es nur einen kleinen Paddock zur Verfügung, sollten Sie am Pausetag lieber spazieren gehen oder am langen Zügel ausreiten. Das ist für den Muskelaufbau zwar nicht ganz so optimal, aber besser als wenn das Pferd nur herumsteht.

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Entstehungsgeschichte

Einige Zeit nach der Entwicklung der Dualaktivierung fing Mike Geitner an, sich Gedanken darüber zu machen, wie man am besten auch Freizeitpferde beim Muskelaufbau unterstützen könnte. Der Muskelaufbau ist zwar etwas, was die Dualaktivierung auf lange Sicht auch hinbekommt, doch liegt hier nicht der Hauptfokus dieser Arbeitsweise. Also fragte Mike Geitner bei verschiedenen Trainerkollegen nach, wie sie ihre Pferde trainierten. Mike hatte selbst lange Rennpferde trainiert, und er wusste, dass Rennpferde in der Regel sehr gut bemuskelt sind. Bei seinen Beobachtungen kam er auf zwei Dinge: Die Pferde mussten in Höchstspannung im Galopp laufen und am nächsten Tag war Pause. Somit war die Pause von 48 Stunden nach der Equikinetic ins Leben gerufen. 

Mike war allerdings klar, dass sicherlich die wenigsten Freizeitreiter die Möglichkeit zum Training auf der Rennbahn hatten, also ging die Suche weiter. Kurz darauf sprach Mike Geitner mit Eberhard Weiß, ein Ausbilder der alten Schule, und fragte ihn, wie damals die Barockpferde zu ihren beeindruckenden Muskeln kamen. Die Antwort war sehr ernüchternd: „Ja, Herr Geitner, das schafft man durch die Piaffe zwischen den Pilaren." Auf die Frage, ob das auch anders gehe, antwortete er: „Longieren in Innenstellung."

Dies waren die ersten Schritte zur Equikinetic. Um die Innenstellung zu sichern und das Trainieren in Dauerspannung und -stellung zu garantieren, nahm Mike Geitner die Quadratvolte aus der Dualaktivierung zur Hilfe. Als letztes kamen noch Erkenntnisse aus dem Kraftsport für den Menschen hinzu: Hier wird schon lange nicht mehr nach Wiederholungen, sondern nach Zeit trainiert - das klassische Intervalltraining. Dies nahm sich Mike Geitner zu Herzen - und damit konnte es auch schon losgehen mit der Equikinetic. Schnell stellte sich heraus, dass mehr als 8 Runden am Anfang zu anstrengend für die Pferde wären, und nach und nach entwickelte sich ein Trainingsplan.